Orphisch-Musische Erziehung für die Schule
Orphisch-Musische Erziehung für die Schule

Orphisch-Musische Erziehung für die Schule

Eine zukünftige Pädagogik muss sich auf den einzelnen Menschen beziehen. Gleichzeitig darf dem jungen Menschen eine möglichst große Bildungsvielfalt nicht vorenthalten werden.
Will man beides miteinander verbinden, wählt man den Weg über das Künstlerische.
Wirkliche Bildung ist weit mehr als eine bloße Wissensansammlung. Bildung dringt zu Verbindungen und Gesetzmäßigkeiten vor, Bildung erlangen wir im Umgang mit den Dingen.
Der Mensch ist nicht nur Kopf, er hat auch eine Mitte und er verfügt über Gliedmaßen, um etwas auszuführen. Atem und Tatkraft brauchen wir im Unterricht gleichermaßen wie auch den Kopf, um wirklich aufnehmen zu können.
Welche Voraussetzungen braucht es dafür? Wenn Musik Form ist, wie finden wir die Verbindung zum Musikalischen?
Wir berufen uns mit der Orphisch-Musischen Erziehung auf die pädagogischen Grundlagen, die Rudolf Steiner gegeben hat. Gegen Ende seiner Lebenszeit hat er den künstlerischen Ansatz allen Unterrichtens sehr bedeutend hervorgehoben – er sprach ja immer von „Erziehungskunst“ – auf diesen künstlerisch zu vollziehenden Weg beziehen wir uns im Besonderen mit der Orphisch-Musischen Erziehung als künstlerische Erweiterung dieser Pädagogik, durch Atmani gegeben.

 

Was können wir mit dem Unterricht von musischen Fächern erreichen?

Sie verhelfen, auf einzigartige Weise, dem jungen Menschen zu Erlebnissen mit sich selbst.

Für ein Kind, das eine künstlerische Arbeit durchführen darf, ist nicht so sehr das Werk als vollendetes entscheidend, sondern der Prozess, der dahin geführt hat. Wobei hier eingefügt sein soll, dass mit musischen Fächern hier ein weiter Bogen aller künstlerisch inspirierten Fächer gemeint ist. Das reicht vom Musizieren und bildnerisch plastischen Gestalten über das körperlich Bewegende, bis hinein in Handarbeit und Werken. Das Besondere an diesen Fächern ist, dass die Kinder aus eigenen Kräften etwas schaffen. Die schöpferischen Kräfte, die wir auch als Erwachsene noch in allen Lebenslagen anwenden können (ja sogar dringend benötigen), werden geweckt. Unsere ungestümen Kräfte lernen wir zu bändigen. Beides führt – nicht nur im Sozialen – zu bewussterer Lebensführung.

Hinzu kommt die Beherrschung verschiedener Fertigkeiten bis hinein in Ausbildung von Geschicklichkeit und der Beobachtung und vielem mehr. Solche dann erworbenen Fähigkeiten beziehen sich ja nie nur auf den Vorgang selbst, sondern verzweigen sich in andere Lebensbereiche hinein. Mit keinem anderen Mittel lerne ich so sehr, mich selbst zu korrigieren. Haben wir dies als Vermögen erworben, bleibt uns der Griff darauf erhalten.

Die kognitiven Fächer bleiben nicht auf der Strecke?

Es gilt das Paradoxale, dass auch die kognitiven Fächer bei einseitiger Pflege derselben auf der Strecke bleiben. Der junge Mensch verarbeitet den wissensartig angelegten Unterrichtsstoff anders. Oft bereitet dieses nur Verstandesgemäße reines Unbehagen beim Kind, vor allem, wenn es dem nicht, durch welche Bedingungen auch immer, gewachsen ist.

Jeder Unterrichtsstoff verbunden mit einer Tat und einem Erlebnis, Neugierde und Fragen aufwerfend, Spannung bereitend wird intensiv mit dem Menschen verbunden. Da kann sich innerlich nachwirkend etwas fortsetzen.

Mit der orphisch-musischen Erziehung wird die Trennung der musischen und nichtmusischen Fächer in gewisser Weise aufgehoben.

Warum sprechen wir von „Erziehung“?

Interessanterweise war lange der korrekte Begriff an Schulen für den bildnerisch gestaltenden Unterricht „Kunsterziehung“.

Der Junge Mensch sucht seinen Weg. Der Junge Mensch bringt so viel Wunderbares bereits mit. Wenn dieses Wunderbare aber nie ganz zum Vorschein kommen darf, den Lebensweg nicht begleiten oder bestenfalls bestimmen darf, dann wird der Lebensweg von einer Traurigkeit belegt. Da bleibt eine Sehnsucht.

Da es dem jungen Menschen nicht sich selbst überlassen werden darf, was ihm als Lernstoff angeboten wird und der sehr bewusste Umgang des Lehrers damit auch einem Schüler einiges an Engagement abverlangt, sprechen wir von Erziehung.
Um dann, mit Erreichen der Adoleszenz, einen eigenbestimmten Weg zu finden, braucht es Menschen, erwachsene Menschen, die mit liebevollem Blick eine junge Hand nehmen und diese ideenreich zu begleiten wissen.